Das Auto als Retentionsrechtsgegenstand

Das eigene Auto hat einen Defekt und muss in die Garage gebracht werden. Schnell ist dem Automechaniker der „Auftrag“ erteilt, das Auto wieder in Stand zu stellen bzw. den Defekt zu beheben. Die Rechnung des Automechanikers/Garagisten für die Reparaturarbeiten fällt für das eigene Befinden zu hoch aus. Dem Unwillen, den den erwarteten Rechnungsbetrag übersteigenden Teil zu begleichen, begegnet der Garagist mit dem Zurückbehalten des Autos.

Wer eine bewegliche Sache mit Willen des Schuldners in seinem Besitz hat, kann laut Art. 895 ZGB die Sache bis zur Befriedigung der Forderung zurückbehalten (hier die Bezahlung der Reparaturleistung). Zudem muss die Leistung bei der Werkablieferung bezahlt werden. Folglich wird die Bezahlung der Reparatur bei der Rückgabe des geflickten Autos fällig. Es greift Art. 372 Abs. 1 OR.

Die Gesamtheit der gesetzlichen Grundlagen führt dazu, dass der Garagist das Auto im Falle des Nichtbezahlens bis zur Begleichung seiner Forderung behalten darf. Auch kann der Garagist das Auto verwerten. Ein Überschuss stünde dem Autoeigentümer zu; ein Manko könnte der Garagist nachfordern.

Selbstverständlich muss der Garagist seine Forderung begründen und die mängelfreie Erbringung beweisen können. Andernfalls könnte ein allfälliger Schadenersatz für eine zu hohe Rechnung und der aus dem Zurückbehalten oder Verkauf des Autos entstandene Schaden zivilrechtlich (oder u.U. sogar strafrechtlich) eingeklagt werden.

Die vernünftigste Lösung in Fällen von Reparaturarbeiten erfolgt vermutlich in zwei Schritten:

  • Einholen einer Offerte über die zu erledigenden Reparaturarbeiten
  • Erteilen eines schriftlichen Auftrags mit Kostendach.

Im Falle eines gesprochenen Kostendachs, muss der Garagist ein Übersteigen dessen mitteilen und das Einverständnis des Autobesitzers einholen. Genau dieses Vorgehen wird von einem Grossteil der Autogaragisten praktiziert. So bleiben die bösen Überraschungen aus und Sie sparen sich Ärger, unerwünschte Umtriebe, Kosten und allfällige Rechtsanwaltshonorare.

Üblicherweise entsteht die oben geschilderte Situation bei einem Dauerkundenverhältnis mit normaler Geschäftsbeziehung nicht. Wenn jedoch zwei unbekannte Parteien aufeinander treffen, ist die Gefahr aufgrund der gegenseitigen Unkenntnis und des Misstrauens grösser. Problematisch ist insbesondere, wenn der Garagist nicht ausreichend über Reparaturchancen und das Kostenrisiko informiert und auch der Kunde sich nicht dafür interessiert. Folglich ist bei unbekannten Parteien das Einholen einer Offerte noch sinnvoller. Vorteilhaft ist es weiter, das Auto auf einem neutralen Gebiet begutachten zu lassen. So können Park-/Standgebühren vermieden werden, sollte keine Einigung zwischen Autobesitzer und Garagisten zu Stande kommen.

Schliesslich ist auch die strikte Trennung zwischen Abschleppen/Anliefern (sollte dies notwendig sein) und Reparatur sinnvoll; dies auch, da viele Autobesitzer Mitglied eines Automobilclubs sind und das Abschleppen über diese Vereinigung organisiert wird und nicht mit dem Aufwand des Garagisten vermischt werden sollte.

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